
Autor/in: Sabaa Tahir
Verlag: cbt
Seitenzahl: 608
Erscheinungsdatum: 10.12.2025
Zeitraum: 13.12.2025 - 16.12.2025
Bewertung: 4 Sterne
Band der Reihe: 3/4
Inhalt:
Das Imperium steht kurz vor dem Zerfall. Helena, die Vollstreckerin des Reiches, versucht verzweifelt, den instabilen Imperator vor dem wachsenden Einfluss der bösartigen Kommandantin abzuschirmen. Nur Laia von Serra weiß, dass die Kommandantin dabei Unterstützung vom Nachtbringer hat, der die gesamte Menschheit unterjochen will. Nur wenn er besiegt wird, kann das Imperium befreit werden. Dafür braucht Laia dringend die Hilfe von Elias, doch als Seelenfänger wandelt dieser nun zwischen Hier und dem Jenseits. Verzweifelt versucht Elias, seine Menschlichkeit zu bewahren, doch er hat sich einer uralten Macht verschrieben, die alles dafür tut, dass er sein früheres Leben - und die Frau, die er liebt - vergisst. Elias, Laia und Helena stehen auf unterschiedlichen Seiten des Krieges und doch ahnen alle drei, dass ihre Wege unvermeidlich miteinander verknüpft sind.
Meine Meinung zum Buch (spoilerfrei):
Dieser Band zieht einen von der ersten Seite an wieder gnadenlos in die düstere, brutale und zugleich faszinierende Welt des Imperiums hinein. Schon optisch fügt sich das Buch perfekt in die Reihe ein und wirkt wie ein Versprechen auf all das, was folgt: Intensität, Schmerz, Hoffnung und Verzweiflung. Sabaa Tahirs Schreibstil ist erneut ein großes Highlight – bildgewaltig, emotional aufgeladen und so packend, dass man kaum Luft holen kann. Trotz der vielen Perspektiven bleibt die Geschichte jederzeit übersichtlich und flüssig, ohne dabei an Tiefe oder Wirkung zu verlieren.
Inhaltlich spitzt sich der Konflikt dramatisch zu. Das Imperium steht kurz vor dem Zerfall, alte Machtstrukturen bröckeln und das Grauen nimmt immer klarere Formen an. Besonders stark ist, wie unterschiedlich die drei zentralen Figuren diesen Krieg erleben. Laia kämpft unermüdlich weiter, getrieben von Hoffnung und der verzweifelten Sehnsucht, Elias zu retten. Ihre Entwicklung über die Reihe hinweg ist beeindruckend, ihre Stärke leise, aber unerschütterlich. Elias wiederum befindet sich in einem der schmerzhaftesten inneren Kämpfe der gesamten Geschichte. Als Seelenfänger zwischen Leben und Tod gefangen, ringt er verzweifelt um seine Menschlichkeit, während eine uralte Macht alles daransetzt, ihn von seinem früheren Leben und seiner Liebe zu entfremden. Diese Zerrissenheit ist emotional kaum auszuhalten und macht seine Kapitel besonders intensiv.
Helene sticht in diesem Band noch einmal heraus. Ihre Loyalität zum Reich, ihre Zweifel und die Entscheidungen, zu denen sie gezwungen wird, verleihen ihrer Figur eine enorme Tiefe. Sie ist weder Heldin noch Schurkin, sondern bewegt sich in einem moralischen Graubereich, der zum Nachdenken anregt und schmerzlich real wirkt. Auch die Antagonisten hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Die Nightbringer, allen voran Keris, verbreiten eine permanente, beklemmende Bedrohung. Grausam, manipulativ und unberechenbar sorgen sie dafür, dass man als Leser*in nie sicher ist, was als Nächstes geschieht.
Die Handlung selbst ist kompromisslos. Brutalität, Verlust und Hoffnungslosigkeit stehen neben kurzen, kostbaren Momenten von Nähe und Hoffnung. Sabaa Tahir scheut sich nicht, ihren Figuren alles abzuverlangen, und genau das macht die Geschichte so eindringlich. Es gibt Szenen, die schockieren, solche, die das Herz brechen, und andere, die einen trotz allem hoffen lassen. Bis zur letzten Seite bleibt die Spannung hoch, und das Ende hinterlässt ein schweres, aufgewühltes Gefühl, weil so viel geschehen ist und doch noch längst nicht alles entschieden.
Insgesamt ist dieser Band ein emotionaler, düsterer und unglaublich fesselnder Teil der Reihe, der die Figuren an ihre absoluten Grenzen bringt. Wer die Geschichte liebt, wird auch hier leiden, hoffen und mitfiebern. Eine klare Leseempfehlung für alle, die intensive Fantasy mit starken Charakteren und moralischer Tiefe schätzen.
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