Mit „One last night“ hat Lauren Ford eine unterhaltsame Slow-Burn-Romance geschaffen, die vor allem durch ihre ungewöhnliche Ausgangssituation und die Chemie zwischen den beiden Hauptfiguren lebt. Agnes steht am letzten Abend vor einer großen Veränderung: Das Familienrestaurant ihrer Eltern an der australischen Küste schließt für immer. Ausgerechnet an diesem Abend taucht ihr Ex Devin mit seiner Familie auf und scheint fest entschlossen, Agnes zurückzugewinnen. Um dieser unangenehmen Situation zu entkommen, behauptet sie kurzerhand, mit ihrem mürrischen Küchenchef Harrison zusammen zu sein – und damit nimmt der Abend eine völlig andere Wendung.
Agnes mochte ich als Protagonistin besonders wegen ihrer Entwicklung. Sie ist ein klassischer People Pleaser, der es sich zur Gewohnheit gemacht hat, die Bedürfnisse anderer über die eigenen zu stellen. Gerade deshalb fand ich es schön zu beobachten, wie sie im Laufe der Geschichte langsam lernt, für sich selbst einzustehen, ihre eigenen Wünsche ernst zu nehmen und Grenzen zu setzen. Diese Entwicklung wirkt nachvollziehbar und gibt ihrer Figur deutlich mehr Tiefe.
Harrison ist dabei der perfekte Gegenpol zu Agnes. Die beiden liefern sich seit Jahren Wortgefechte und scheinen sich zunächst kaum ausstehen zu können. Genau diese Dynamik hat mir richtig gut gefallen. Zwischen ihnen herrscht von Anfang an eine gewisse Spannung, die durch das Fake Dating noch verstärkt wird. Aus gespielten Berührungen und Blicken werden nach und nach echte Gefühle, und gerade dieses langsame Aufbrechen der bereits vorhandenen Verbindung hat für einige schöne und humorvolle Momente gesorgt. Besonders der Schlagabtausch zwischen den beiden war für mich eines der Highlights.
Auch die Idee, den gesamten Slow Burn innerhalb einer einzigen Nacht stattfinden zu lassen, fand ich spannend. Durch den aufziehenden Sturm wird aus der Fake-Dating-Situation zusätzlich eine Forced-Proximity-Geschichte, da plötzlich niemand das Restaurant verlassen kann. Dadurch entsteht eine besondere Atmosphäre, die gut zur Handlung passt und die Figuren dazu zwingt, sich miteinander auseinanderzusetzen.
Das Setting am australischen Traumstrand klang für mich zunächst wunderschön und ich mochte die Restaurantatmosphäre mit dem Meer, der Küche und dem Sturm durchaus gerne. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass Australien noch stärker spürbar wird. Die Geschichte hätte für mich stellenweise genauso gut an einer anderen Küste spielen können, wodurch etwas vom besonderen Flair des Schauplatzes verloren ging.
Etwas schwieriger fand ich auch, dass die Handlung ausschließlich an diesem einen Abend und größtenteils im Restaurant spielt. Während das anfangs für eine interessante und intensive Atmosphäre sorgt, hat es sich für mich mit der Zeit etwas gezogen. Auch bei einigen Dialogen war für mich nicht immer sofort eindeutig, wer gerade spricht, was den Lesefluss gelegentlich gestört hat. Emotional konnte mich die Geschichte leider ebenfalls nicht ganz erreichen, obwohl ich Agnes' Entwicklung und die Dynamik zwischen ihr und Harrison wirklich mochte.
Insgesamt ist es für mich ein schöner, humorvoller Slow Burn mit Fake Dating, Forced Proximity und einer gelungenen Charakterentwicklung. Besonders die Chemie zwischen Agnes und Harrison sowie ihre bissigen Dialoge haben mir gefallen. Ganz überzeugen konnte mich die Geschichte aufgrund einiger Längen und der für mich etwas fehlenden emotionalen Tiefe allerdings nicht. Trotzdem hatte ich schöne Lesestunden mit den beiden und kann mir gut vorstellen, dass die Geschichte vor allem Fans von romantischen Komödien mit Enemies-to-Lovers-Vibes und einer ungewöhnlichen Ausgangssituation begeistern kann.

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