Mit „A Sky Beyond the Storm“ von Sabaa Tahir findet die Ember-Reihe ihren Abschluss – und auch wenn dieser finale Band nicht vollkommen makellos ist, fühlt er sich doch wie das richtige, vielleicht sogar das einzig mögliche Ende dieser Geschichte an.
Das Imperium ist gefallen, der Imperator tot, und mit Keris Veturia herrscht nun eine grausame Kommandantin, die mithilfe des Nachtbringers und seiner Dschinn-Armee das Reich unterwerfen will. Während Laia, Helena und ihre Verbündeten alles daransetzen, diese Tyrannei zu beenden, kämpft Elias als Seelenfänger mit seinem Eid – und mit dem drohenden Verlust seiner selbst. Alle Fäden laufen zusammen, Prophezeiungen erfüllen sich (oder werden bewusst gebrochen), und der finale Kampf entscheidet über das Schicksal ganzer Völker.
Was dieser Reihe von Anfang an ihre besondere Kraft verliehen hat, ist auch hier spürbar: Tahirs Schreibstil ist eindringlich, poetisch und emotional aufgeladen. Viele Passagen sind so schlicht und zugleich so schön formuliert, dass man sie am liebsten markieren möchte. Besonders thematisch ist dieser Band der stärkste der Reihe. Es geht um Familie, Verlust, Trauer und die Frage, wie man weiterlebt, wenn man scheinbar alles verloren hat. Hoffnung keimt hier nicht laut und triumphal, sondern leise – wie eine Glut inmitten von Asche.
Die Handlung bietet hohe Einsätze, politische Intrigen und eine stetig wachsende Spannung, die im letzten Drittel in einem intensiven, atemlosen Finale mündet. Die finale Schlacht ist ein Strudel aus Emotionen und Gefahr – man hält tatsächlich den Atem an. Dabei schreckt Tahir nicht davor zurück, Figuren alles abzuverlangen. Verluste treffen hart, Entscheidungen sind schmerzhaft, Opfer unumgänglich.
Dennoch ist nicht alles perfekt. Das Magiesystem bleibt stellenweise vage und wirkt manchmal so, als würde es sich den Bedürfnissen der Handlung anpassen. Einige Entwicklungen fühlen sich trotz Vorbereitung etwas plötzlich an. Und gerade im Mittelteil gibt es Passagen, in denen die Handlung langsamer voranschreitet: Reisen, Gespräche, erneute Aufbrüche – hier hätte man durchaus straffen können. Manche Szenen wirken wie ein Innehalten vor dem Sturm, was zwar emotional bittersüß ist, aber gelegentlich etwas Dynamik kostet.
Bei den Figuren zeigt sich, wie weit sie gekommen sind. Laia wächst weiter über sich hinaus, auch wenn sie nicht immer die zugänglichste Protagonistin bleibt. Elias’ Geschichte ist wohl eine der tragischsten – seine innere Zerrissenheit, sein Ringen mit seiner neuen Existenz und der drohende Verlust seiner Erinnerungen verleihen seinem Handlungsstrang eine melancholische Tiefe, auch wenn er stellenweise etwas passiv wirkt.
Helena hingegen sticht besonders hervor. Ihre Entwicklung über die gesamte Reihe hinweg kulminiert hier in einem Abschluss, der sich verdient und stimmig anfühlt. Ihr Weg ist von Schmerz, Verantwortung und schwierigen Entscheidungen geprägt – und gerade deshalb so kraftvoll. Auch die Antagonisten gewinnen an Tiefe: Selbst in ihrer Grausamkeit schimmern Motive durch, die sie greifbarer und fast tragisch erscheinen lassen.
Das Ende selbst mag für manche unspektakulär wirken – es ist kein pompöser Triumph, sondern ein leiser, bittersüßer Abschluss. Doch genau darin liegt seine Stärke. Es passt zu diesen Figuren, zu ihrer Geschichte, zu den Verlusten, die sie erlitten haben. Es ist ein Ende, das nicht alles ungeschehen macht, sondern zeigt, dass Heilung Zeit braucht – und dass Hoffnung trotzdem möglich ist.
„A Sky Beyond the Storm“ ist vielleicht kein perfektes Buch, aber ein nahezu perfekter Abschluss. Es ist emotional, thematisch stark und schenkt seinen Figuren ein Ende, das ihnen gerecht wird. Der Abschied fällt schwer – doch er fühlt sich richtig an.

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