Mit Remember, Remember liefert Stefanie Hasse einen modernen Whodunit-Roman, der Elite-Internatsdrama, luxuriöses Setting und knisternde Rivalität gekonnt miteinander verbindet.
Schon die Idee ist ein absoluter Hingucker: Ein Klassentreffen im futuristischen Luxuszug Mireille. Der Zug ist technisch hochmodern ausgestattet – mit VR-Waggons, künstlichem Strand, Parklandschaften und außergewöhnlichen Themenabteilen. Die detailreichen Beschreibungen machen das Setting lebendig und faszinierend. Man spürt förmlich den Luxus und die Exklusivität – auch wenn die vielen Ausführungen einen zu Beginn stellenweise etwas ausbremsen können.
Der Einstieg gelingt dennoch schnell, denn die Spannung wird früh aufgebaut. Lara Thomas kehrt nur widerwillig zu diesem Klassentreffen zurück. Ihre Schulzeit am Elite-Internat Rosenberg war alles andere als leicht – und ausgerechnet mit ihrem ehemaligen Rivalen Aarón Juez muss sie sich einen Schlafwagen teilen. Natürlich mit nur einem Bett. Zwischen den beiden sprühen vom ersten Moment an die Funken: scharfzüngige Dialoge, hitzige Wortgefechte und eine Anziehung, die sich nicht ignorieren lässt. Ihr Schlagabtausch ist witzig, sarkastisch und intensiv – echtes Rivals-to-Lovers-Feeling mit deutlich spürbarer Chemie.
Was besonders positiv auffällt: Der Konflikt zwischen Lara und Aarón wirkt nicht konstruiert. Ihre Rivalität hat Substanz, ihre Vergangenheit verbindet – und trennt – sie glaubwürdig. Gleichzeitig entwickelt sich ihre Annäherung langsam und nachvollziehbar, auch wenn im letzten Drittel manche Missverständnisse etwas repetitiv wirken.
Neben der Liebesgeschichte entfaltet sich jedoch zunehmend ein Thriller-Plot. Als während des Treffens eine anonyme Nachricht auftaucht – „Ich habe getötet“ – kippt die Stimmung abrupt. Alte Geheimnisse, verdrängte Erinnerungen und dunkle Verstrickungen aus der Internatszeit kommen ans Licht. Rückblicke in die Vergangenheit sorgen dafür, dass sich das Puzzle Stück für Stück zusammensetzt.
Allerdings verlangt die Vielzahl an Figuren einiges an Konzentration. Gerade in Kombination mit dem komplexen Zug-Setting kann man zwischendurch den Überblick verlieren: Wer ist gerade wo? Wer spricht mit wem? Dennoch trägt genau diese Fülle zur authentischen Klassentreffen-Atmosphäre bei – jeder hat sich weiterentwickelt, jeder trägt eigene Geheimnisse mit sich.
Je näher das Ende rückt, desto stärker wird der Thriller-Aspekt. Die Spannung steigt spürbar, Verdächtige wechseln ständig, und man wird bewusst auf falsche Fährten geführt. Die Auflösung ist logisch und rund, auch wenn der ganz große „Aha!“-Moment für manche vielleicht ausbleibt.
Insgesamt ist Remember, Remember eine fesselnde Mischung aus Nostalgie, Intrigen und prickelnder Dynamik. Nach kleinen Startschwierigkeiten entfaltet sich eine zunehmend beklemmende Atmosphäre, die bis zum Schluss zum Miträtseln einlädt. Besonders das luxuriöse Zug-Setting und die intensive Beziehung zwischen Lara und Aarón machen die Geschichte zu einer spannenden Reise – mit mehr als nur einem gefährlichen Geheimnis an Bord.

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