Samstag, 25. September 2021

Der dunkle Schwarm

Autor/in: Marie Grasshoff
Verlag: Lübbe
Seitenzahl: 352
Erscheinungsdatum: 30.07.2021
Zeitraum:10.09.2021 - 13.09.2021 
Bewertung: 4 Sterne
Band der Reihe: 1/1

Inhalt:
Im Jahr 2100 verbinden die Menschen ihr Bewusstsein über Implantate zu sogenannten "Hive-Minds". Die junge Atlas profitiert davon gleich doppelt: Tagsüber arbeitet sie als Programmiererin für den größten Hive-Entwickler. Nachts betreibt sie unter dem Decknamen Oracle einen lukrativen Handel mit Erinnerungen, die sie aus Hive-Implantaten stiehlt. Eines Nachts berichtet ihr ein Kunde namens Noah von dem Mord an einem ganzen Hive - eigentlich eine technische Unmöglichkeit. Er bietet ihr eine horrende Summe dafür an, den Täter zu finden. Atlas lässt sich auf den Deal ein - und ist bald auf der Flucht vor der Polizei, Umweltterroristen und Auftragsmördern.

Meine Meinung zum Buch (spoilerfrei):

Eine Dystopie, die mich total überraschen konnte. Marie Grasshoff hat hier eine sehr beängstigende Zukunftsversion erschaffen, die aber genau mit diesem spannenden Weltaufbau überzeugen konnte. Ich war gefesselt von der Geschichte und ihren Facetten, nur die Tiefe hat mir leider an der einen oder anderen Stelle gefehlt.

So viel Recherche und Konstruktion wie in diesem Werk steckt, kann fast nicht mit ein paar kurzen Worten zusammengefasst werden. Diese technologischen Fachausdrücke haben bestimmt viel Recherchezeit verlangt, wovor ich grossen Respekt habe. Die Geschichte war wirklich unglaublich gut aufgebaut. Besonders gut gelungen fand ich, wie der Leser in die Geschichte eingeführt wurde. Es hat sich nach und nach ein stimmiges, logisches und passendes Bild ergeben, das man gut nachvollziehen konnte. Die dystopische Zukunftsversion in einer sehr technologisch weiterentwickelten Welt hat aber auch viel Unbehagen ausgelöst. Die Hives und die mit ihnen verbundene Macht in den Händen einzelner Menschen, die auch schnell missbraucht werden kann, haben sehr viel Spannung aufgebaut.

Die Geschichte würde ich am ehesten als eine Art Krimi beschreiben. Die Handlung drehte sich auch hauptsächlich um die Aufklärung dieses Mordes. Dadurch hat es aber auch die Probleme ergeben, die ich mit der Geschichte hatte. Weil die Handlung klar gesetzt war und genau diesem Muster gefolgt ist, gab es wenig Spielraum für zwischenmenschliche Beziehungen und Charaktertiefe. Mir hat genau dies auch sehr gefehlt. Ich war nie so richtig in der Geschichte gefangen und konnte wenig Beziehung zu Atlas und Noah aufbauen. Trotzdem konnte mich die Handlung nicht so ganz mitreissen. Es drehte sich gerade am Anfang vieles im Kreis und brauchte eine längere Zeit, bis sich die Handlung in ihrer Spannung steigern konnte. Auch bis zuletzt hat mir der Sog gefehlt, sodass ich unbedingt weiterlesen wollte.

Der zweite Punkt neben der Handlung war die Charaktertiefe, die mir gefehlt hat. Die Verbindung zu Altas und ihren Freunden war für mich zu wenig intensiv. Es gab eine gewisse Distanz, die nicht überbrückt werden konnte und die ich leider kritisieren muss. Über Atlas Familie und Hintergrund wusste man am Ende mehr, dennoch blieb sie mir als Protagonistin fremd und unbekannt. Ich kann sie nicht wirklich charakterisieren und weiss auch nicht, was sie genau aussergewöhnlich macht. Trotzdem strahlte sie eine tolle Stärke und ein grosses Selbstbewusstsein aus, das ich an ihr sehr gerne mochte.
Die weiteren Protagonisten blieben fast noch mehr im Dunkeln als Atlas selbst, was ich auch wirklich schade finde. Ein paar Seiten mehr für diese Details hätten dem Buch wohl nicht geschadet.

Die Richtung, die Der dunkle Schwarm am Ende eingeschlagen hat, hätte ich nicht erwartet. Ich mochte wirklich gerne, dass die Geschichte noch eine so grosse Dimension angenommen hat und wurde definitiv überrascht. Das Ende war gut gelungen, genau wie das grosse Finale davor.

Insgesamt erhält Der dunkle Schwarm von mir gute 4 Sterne, weil ich die dystopische und technologische Welt unglaublich gerne mochte. Als Krimi war das Buch bestimmt spannend und knackig, für mich hat aber einfach etwas die Tiefe in allem gefehlt. Trotzdem würde ich das Buch definitiv weiterempfehlen.

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